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Diplomarbeit Jörg Halterbeck (1998)

Der Holzmarkt im Baltikum

  

Zusammenfassung

Das Baltikum verfügt mit einer Bewaldung zwischen 30,1% in Litauen und 47,6% in Estland über ein großes Potential an Wäldern. Die Verfügbarkeit von Holz wird in den nächsten Jahren in allen baltischen Ländern weiter steigen, da die Reprivatisierungsmaßnahmen voranschreiten, eine Bewirtschaftung der Privatwälder langsam wieder anläuft und der Waldanteil durch die Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen in Größenordnungen ansteigen wird. Die mit ca. 50 Jahren derzeit noch ungünstige Altersstruktur der baltischen Wälder, wird in den nächsten 20 Jahren ein großes Angebot an hiebsreifen Beständen zur Folge haben.

Die Einschläge sind bis 1995 kontinuierlich gestiegen und haben sich seit 1996 auf ca. 2,5 m³/ha eingependelt. Mit dem Heranreifen der überwiegend mittelalten Wälder wird in den nächsten Jahren eine Erhöhung der derzeitigen Durchschnittsvorräte von 150 – 180m³/ha zu einem erneuten Anstieg der Einschläge führen.

Die noch anhaltende Reprivatisierung wird zu einer großen Anzahl von Privatwaldparzellen mit einer Durchschnittsgröße zwischen 2 und 12 ha führen. Weil die Selbstorganisation in Waldgenossenschaften noch sehr unbeliebt ist, muß ein Absinken der Rohholzbereitstellung befürchtet werden. Der Anteil der Staatsforsten wird mit 50-60% die Holzvermarktung dominieren und die Preisbildung auf den Regionalmärkten wesentlich mitbeeinflussen.

Inzwischen sind alle drei staatlichen Forstverwaltungen übergegangen vorwiegend Auf-dem-Stock-Verkäufe in Form von Langzeitverträgen mit Sägewerken oder Holzeinschlagsunternehmen durchzuführen. Da 1996 noch über 57-90 % der Wälder durch den Staat bewirtschaftet wurden, kann die Marktform als (beschränktes) Angebotsoligopol bezeichnet werden.

Die Preise sind stark vom Weltmarkt und regionalen Marktstörungen wie z.B. Kalamitäten abhängig. Die Wirtschaftsaktivitäten ausländischer Unternehmen haben die Regionalpreise ansteigen lassen damit den einheimischen Sägeindustrien die Rohholzbeschaffung erschwert, was wiederum in der dünnen Kapitaldecke der baltischen Unternehmen begründet liegt.

Die Sägeindustrien sind mit 50-80 % nur ungenügend ausgelastet. Die geringe Produktivität wird durch Probleme bei der Rohholzbeschaffung (s.o.) und noch nicht erfolgter Modernisierung der Produktion verursacht.

Holz ist mit einem Anteil von 5-26,4 % am Gesamtexport im Baltikum ein wichtiges Exportgut. Der Anteil der Forst- und Holzwirtschaft ist mit 5-11 % an der Industrieproduktion von großer Bedeutung. Die Möbelindustrien haben Absatzprobleme, die durch mangelnde Qualität und unattraktivem Design verursacht sind und den Export zur Zeit noch auf Zulieferartikel für Westeuropa beschränken. Die Zellstoffindustrie ist total zusammengebrochen. Teure Paperimporte verschlechtern die Leistungsbilanzen erheblich und haben einen großen Anteil am Importwert von Holz und Holzprodukten. Trotz dieser Probleme ist es in den letzten Jahren zu einer Reihe von Modernisierungsmaßnahmen, Neugründungen sowie Investitionen durch ausländische Unternehmen gekommen. Inzwischen konnte in einigen Bereichen der Forst- und Holzwirtschaft das alte Produktionsniveau erreicht werden.

Seit dem Ausscheiden aus dem Wirtschaftsgefüge der ehemaligen UdSSR hat sich das Baltikum zu einem Nettoexporteur von Holz gewandelt. Die baltischen Holzwirtschaften sind in vielen Teilbereichen exportorientiert und können eine positive Holzbilanz vorweisen. Der Holzhandel untereinander spielt keine Rolle. Hauptsortimente sind Schnittholz und Rundholz, es folgt mit Abstand Sperrholz. Die anfänglich hohen Rundholzexporte wurden in Litauen und Lettland durch die Erhebung zeitlich befristeter Zölle reduziert. Damit konnte die Wertschöpfung von Holz im Lande erhöht und ein starker Anstieg der Schnittholzexporte initiiert werden.

Wichtigster Handelspartner ist, nach Verlust des RGW-Marktes, die EU mit Großbritannien, Schweden, Deutschland und Finnland. Die GUS hat im Holzhandel nur noch eine geringe Bedeutung. Estland wird 2002 als erstes baltisches Land der EU beitreten, was als Resultat seines Weges der konsequenten Marktöffnung gelten kann. Litauen und Lettland sind durch Assoziationsverträge mit der EU verbunden.

Insgesamt ergibt sich für den Bereich der Forst- und Holzwirtschaft in allen drei baltischen Ländern ein positiver Entwicklungstrend, der zur Entwicklung und zum Wohlstand im Baltikum beitragen wird.

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