Zusammenfassung
Das Baltikum verfügt mit einer Bewaldung zwischen 30,1% in
Litauen und 47,6% in Estland über ein großes Potential an Wäldern. Die
Verfügbarkeit von Holz wird in den nächsten Jahren in allen baltischen
Ländern weiter steigen, da die Reprivatisierungsmaßnahmen voranschreiten, eine
Bewirtschaftung der Privatwälder langsam wieder anläuft und der Waldanteil
durch die Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen in Größenordnungen ansteigen
wird. Die mit ca. 50 Jahren derzeit noch ungünstige Altersstruktur der
baltischen Wälder, wird in den nächsten 20 Jahren ein großes Angebot an
hiebsreifen Beständen zur Folge haben.
Die Einschläge sind bis 1995 kontinuierlich gestiegen und
haben sich seit 1996 auf ca. 2,5 m³/ha eingependelt. Mit dem Heranreifen der
überwiegend mittelalten Wälder wird in den nächsten Jahren eine Erhöhung der
derzeitigen Durchschnittsvorräte von 150 – 180m³/ha zu einem erneuten
Anstieg der Einschläge führen.
Die noch anhaltende Reprivatisierung wird zu einer großen
Anzahl von Privatwaldparzellen mit einer Durchschnittsgröße zwischen 2 und 12
ha führen. Weil die Selbstorganisation in Waldgenossenschaften noch sehr
unbeliebt ist, muß ein Absinken der Rohholzbereitstellung befürchtet werden.
Der Anteil der Staatsforsten wird mit 50-60% die Holzvermarktung dominieren und
die Preisbildung auf den Regionalmärkten wesentlich mitbeeinflussen.
Inzwischen sind alle drei staatlichen Forstverwaltungen
übergegangen vorwiegend Auf-dem-Stock-Verkäufe in Form von Langzeitverträgen
mit Sägewerken oder Holzeinschlagsunternehmen durchzuführen. Da 1996 noch
über 57-90 % der Wälder durch den Staat bewirtschaftet wurden, kann die
Marktform als (beschränktes) Angebotsoligopol bezeichnet werden.
Die Preise sind stark vom Weltmarkt und regionalen
Marktstörungen wie z.B. Kalamitäten abhängig. Die Wirtschaftsaktivitäten
ausländischer Unternehmen haben die Regionalpreise ansteigen lassen damit den
einheimischen Sägeindustrien die Rohholzbeschaffung erschwert, was wiederum in
der dünnen Kapitaldecke der baltischen Unternehmen begründet liegt.
Die Sägeindustrien sind mit 50-80 % nur ungenügend
ausgelastet. Die geringe Produktivität wird durch Probleme bei der
Rohholzbeschaffung (s.o.) und noch nicht erfolgter Modernisierung der Produktion
verursacht.
Holz ist mit einem Anteil von 5-26,4 % am Gesamtexport im
Baltikum ein wichtiges Exportgut. Der Anteil der Forst- und Holzwirtschaft ist
mit 5-11 % an der Industrieproduktion von großer Bedeutung. Die
Möbelindustrien haben Absatzprobleme, die durch mangelnde Qualität und
unattraktivem Design verursacht sind und den Export zur Zeit noch auf
Zulieferartikel für Westeuropa beschränken. Die Zellstoffindustrie ist total
zusammengebrochen. Teure Paperimporte verschlechtern die Leistungsbilanzen
erheblich und haben einen großen Anteil am Importwert von Holz und
Holzprodukten. Trotz dieser Probleme ist es in den letzten Jahren zu einer Reihe
von Modernisierungsmaßnahmen, Neugründungen sowie Investitionen durch
ausländische Unternehmen gekommen. Inzwischen konnte in einigen Bereichen der
Forst- und Holzwirtschaft das alte Produktionsniveau erreicht werden.
Seit dem Ausscheiden aus dem Wirtschaftsgefüge der
ehemaligen UdSSR hat sich das Baltikum zu einem Nettoexporteur von Holz
gewandelt. Die baltischen Holzwirtschaften sind in vielen Teilbereichen
exportorientiert und können eine positive Holzbilanz vorweisen. Der Holzhandel
untereinander spielt keine Rolle. Hauptsortimente sind Schnittholz und Rundholz,
es folgt mit Abstand Sperrholz. Die anfänglich hohen Rundholzexporte wurden in
Litauen und Lettland durch die Erhebung zeitlich befristeter Zölle reduziert.
Damit konnte die Wertschöpfung von Holz im Lande erhöht und ein starker
Anstieg der Schnittholzexporte initiiert werden.
Wichtigster Handelspartner ist, nach Verlust des RGW-Marktes,
die EU mit Großbritannien, Schweden, Deutschland und Finnland. Die GUS hat im
Holzhandel nur noch eine geringe Bedeutung. Estland wird 2002 als erstes
baltisches Land der EU beitreten, was als Resultat seines Weges der konsequenten
Marktöffnung gelten kann. Litauen und Lettland sind durch Assoziationsverträge
mit der EU verbunden.
Insgesamt ergibt sich für den Bereich der Forst- und
Holzwirtschaft in allen drei baltischen Ländern ein positiver
Entwicklungstrend, der zur Entwicklung und zum Wohlstand im Baltikum beitragen
wird.
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